Experimentelle Druckgrafik

Schwerpunkt meiner künstlerischen Arbeit ist die experimentelle Auseinandersetzung mit dem klassischen Medium des Tiefdrucks, normalerweise bekannt als Radierung, Kupferstich, Kaltnadel und Ähnlichem. Dabei erweitere ich sowohl die technischen Möglichkeiten des Mediums als auch seinen größenbedingte Charakter als Kabinettkunst im kleinen Format. Bei konventioneller Tief- und Hochdruckgrafik liegt der künstlerische Gestaltungsprozess in der Herstellung des Druckstocks. Der Druckprozess ist dabei vor allem nur das Reproduktionsverfahren, um ein Bild zu vervielfachen, eine Auflage herzustellen. Bei meinen Arbeiten ist aber gerade der Druckprozess auch künstlerischer Gestaltungsprozess. Ich experimentiere dabei mit unterschiedlichsten Druckstockmaterialien und Einfärbemethoden.

Hoch-Tief-Druck

Anders als im konventionellen Tiefdruck habe ich ein Verfahren entwickelt, bei dem sowohl die vertieften als auch die erhabenen Teile eines Druckstocks farbdifferenziert in einem Druckvorgang auf einen Druckträger, in der Regel Papier, übertragen werden. Dabei nutze ich unterschiedliche Farbkonsistenzen, die Farben liegen z.T. nebeneinander, z.T. vermischen sie sich, sodass in einem Druckvorgang eine differenzierte Farbigkeit entsteht.

Cliché trouvé

In Anlehnung an den Begriff „Objet trouvé“ (gefundener Gegenstand), der die Verwendung von gefundenen Alltagsgegenständen als Teil eines Kunstwerks bezeichnen, wie z.B. Picassos Stierkopf, der aus der Kombination von Rennradsattel und -lenker entstand, verwende ich den Begriff Cliché trouvé (gefundener Druckstock). Größtenteils stelle ich meine Druckstöcke nicht selber her, ich finde sie. Ich benutze Metallplatten, die von der ursprünglichen Verwendung her Teile oder Verkleidungen von Maschinen, Autos oder andere technische Gebrauchsgegenstände waren oder werden sollten. Ihre Form und Gebrauchsspuren werden zu bildkonstituierenden Elementen. Voraussetzung ist, dass sie einigermaßen eben sind oder eben gemacht werden können und dass sie eine Oberflächenstruktur, eine gewisse Reliefierung aufweisen. Die Bearbeitung erfolgt dann weniger mit den klassischen Werkzeugen wie Stichel, Radiernadel etc. und Ätzung mit Säuren, sondern eher mit Flex, Schleifmaschine und Schleifpapieren und anderen Werkzeugen der Metallbearbeitung.